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فراموشی عمدی [یانیس هاگمن، تاگس سایتونگ (آلمان)، 2 اکتبر 2019] (اداره کل رسانه های خارجی، مترجم: عطیه خرم)

نورا اودونل، خبرنگار شبکه تلویزیونی CBS News، از ولیعهد عربستان پرسید: "آیا شما دستور قتل جمال خاشقجی را صادر کردید؟" او قاطعانه این ادعا را رد کرد. بن سلمان بدون اینکه با عواقب جدی روبرو شود، مسئولیت سیاسی این ماجرا را پذیرفت و به این ترتیب به تفسیر خود از این داستان اعتبار بخشید: او شخصا هیچ ارتباطی با این قتل نداشته و از آن باخبر نبود. نکته جالب این است که چرا بن سلمان اکنون در این باره صحبت می کند؟ آیا او سعی دارد این ماجرای آزاردهنده را از کانون توجه خارج کند؟ این فرصتی بود که یک بار برای همیشه موضوع را خاتمه دهد.

فراموشی عمدی

1.    اندکی قبل از اولین سالگرد قتل فجیع جمال خاشقجی، ولیعهد سعودی حاضر شد به سؤالات یک روزنامه نگار آمریکایی درباره این ماجرا پاسخ دهد.
2.    نورا اودونل، خبرنگار شبکه تلویزیونی CBS News، از ولیعهد عربستان پرسید: "آیا شما دستور قتل جمال خاشقجی را صادر کردید؟" او قاطعانه این ادعا را رد کرد. بن سلمان بدون اینکه با عواقب جدی روبرو شود، مسئولیت سیاسی این ماجرا را پذیرفت و به این ترتیب به تفسیر خود از این داستان اعتبار بخشید: او شخصا هیچ ارتباطی با این قتل نداشته و از آن باخبر نبود.
3.    نکته جالب این است که چرا بن سلمان اکنون در این باره صحبت می کند؟ آیا او سعی دارد این ماجرای آزاردهنده را از کانون توجه خارج کند؟ این فرصتی بود که یک بار برای همیشه موضوع را خاتمه دهد.
4.    در این پرونده هیچ گونه تحقیقات جنایی بین المللی انجام نگردید، برخلاف آنچه ترکیه و گزارشگران بدون مرز تقاضا کرده بودند. در عوض، دولت ریاض با خیال راحت خاطرنشان کرده که در عربستان سعودی، دادخواستی علیه برخی از عوامل درگیر در این قتل جریان دارد.
5.    اگنس کالامارد، گزارشگر ویژه سازمان ملل در اعدام های فراقانونی، در ماه ژوئن گزارش نهایی خود را از تحقیقاتی که با موافقت شورای حقوق بشر سازمان ملل در این باره انجام شده بود، ارائه کرد: شواهد موثقی در مورد ارتباط بن سلمان با قتل خاشقچی وجود دارد. کالامارد تحقیقات عربستان سعودی را کافی نمی داند و می گوید آنها با استانداردهای بین المللی همخوانی ندارند.
6.    از زمان انتشار گزارش وی، چندین ماه گذشته است. با توجه به اینکه تاکنون هیچ اتفاقی نیافتاده و به ویژه به علت پس زمینه بحران در خلیج [فارس]، اکنون زمان مناسبی برای حضور ولیعهد عربستان در رسانه های آمریکایی به نظر می رسد.
منبع: اداره کل رسانه های خارجی

 

Gewolltes Vergessen
Ein Jahr nach dem bestialischen Mord an Jamal Khashoggi sind die Detailsdes Todes des Journalisten weitestgehend bekannt – nur schuldig will niemand sein
JANNIS HAGMANN TAZ 2.10.2019
MBS hat gesprochen. Über den Fall Khashoggi. Kurz vor dem ersten Jahrestag des abscheulichen Mordes an dem Journalisten hat sich der saudische Kronprinz den – sagen wir einmal: kritischen – Fragen einer amerikanischen Journalistin gestellt. Und die wollte von Muhammad bin Salman die volle Wahrheit wissen. Auf CBS News fragte Starreporterin Norah O’Donnell den Kronprinzen mit staatsmännischer Miene: „Haben Sie den Mord an Jamal Khashoggi in Auftrag gegeben?“
Nun raten Sie einmal, wie MBS reagierte! Richtig, er schüttelte den Kopf: „Ohne Zweifel, nein.“ Als Breaking News konnte der Sender dann nur noch verkaufen, dass MBS die „volle Verantwortung“ für die Tat übernimmt. Heißt: Ohne Konsequenzen zu ziehen, erklärt sich MBS für politisch verantwortlich und verleiht damit seiner Version der Geschichte Glaubwürdigkeit: dass er persönlich nichts damit zu tun hatte und auch nichts wusste. Später darf MBS dann noch erklären, dass Journalisten für sein Land keine Bedrohung darstellen. Aha.
Interessanter ist die Frage: Warum spricht MBS? Dass es in dem CBS-Interview um den Khashoggi-Mord gehen würde, war mit Sicherheit vorher abgesprochen. Will der Kronprinz einen Schlussstrich ziehen unter diese lästige Angelegenheit? Die Chancen nämlich stehen bestens dafür, das Thema ein für alle Mal für beendet zu erklären. Zu internationalen strafrechtlichen Ermittlungen, wie sie die Türkei ins Spiel brachte und wie sie Reporter ohne Grenzen fordert, ist es nicht gekommen. Stattdessen kann die Regierung in Riad bequem darauf verweisen, dass ja in Saudi-Arabien ein Prozess gegen einige Agenten laufe, die an dem Mord beteiligt gewesen sein sollen.
Also alles gut? Nicht ganz. Da wäre noch der Abschlussbericht, den Agnès Callamard, UN-Sonderberichterstatterin für außergerichtliche Hinrichtungen, im Juni vorgelegt hat. Das Team der Menschenrechtsexpertin ging der Sache im Rahmen eines Mandats des UN-Menschenrechtsrats auf den Grund. Die Nachforschungen waren keine strafrechtlichen Ermittlungen, sind aber die bislang umfassendste Untersuchung dessen, was heute vor einem Jahr in Istanbul vor sich ging.
In weiten Teilen bestätigt Callamard die Horrorgeschichte, die der türkische Geheimdienst zuvor schon an die Medien durchgestochen hatte: Khashoggi, einst ein Journalist mit gutem Draht zur Saudi-Elite und später im US-Exil lebender Kolumnist der Washington Post, sucht am 2. Oktober 2018 das saudische Konsulat in Istanbul auf, um Hochzeitsdokumente abzuholen. Dort will man ihn zur Rückkehr bewegen, doch als er sich weigert, ermordet ihn ein extra angereistes Killerkommando und zerstückelt die Leiche – was erklärt, warum sie bis heute nicht gefunden worden ist. „Wenn wir Plastiktüten nehmen und ihn in Stücke schneiden, wird es beendet sein“, sagt ein Gerichtsmediziner in einer türkischen Audioaufnahme, die sich Callamard anhören durfte. Nach der Tat werden die Spuren penibel beseitigt.
Bemerkenswert aber in dem Bericht sind nicht die unfassbar bestialischen Details, sondern folgende Schlussfolgerung: „Die Sonderberichterstatterin hat festgestellt, dass es glaubwürdige Beweise gibt, die weitere Ermittlungen rechtfertigen zur individuellen Verantwortung hochrangiger saudischer Offizieller, inklusive des Kronprinzen.“ Die Ermittlungen in Saudi-Arabien hält Callamard nicht für ausreichend; sie blieben hinter internationalen Standards zurück.
Seit dem Bericht sind mehrere Monate ins Land gegangen. Passiert ist: nichts – ein perfekter Zeitpunkt also für die Charme¬offensive des Kronprinzen in den US-Medien, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Krise am Golf. Die nämlich kommt MBS gerade recht. Zwar haben die Spannungen auch den brutalen Krieg Saudi-Arabiens im Jemen wieder in die Schlagzeilen gebracht. Doch spätestens seit dem Angriff auf saudische Ölanlagen im September zeigt sich wieder einmal, dass internationale Konflikte nach dem Feind-meines-Feindes-Schema funktionieren: Wenn der Iran böse ist, dann ist dessen Erzrivale gut. Und dann? Ja, dann ist vielleicht auch nicht mehr so wichtig, was genau damals in Istanbul passierte.
https://taz.de/Archiv-Suche/!5626895&s=Iran&SuchRahmen=Print/

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